Archive for the 'Redewendungen und Sprichwörter' Category

Die Wendung ist seit dem frühen 16. Jh. belegt, und zwar bei Hans Sachs. Sie ist vielfach auf alte Rechtsbräuche zurückgeführt worden. So soll der Stein, den man beim Schwur berührt, einem heidnischen heiligen Stein und später dem Altarstein entsprechen.
Bein (Gebein) den Reliquien eines Heiligen. Letzteres ist seit dem 6. Jh. im Lex Allemannorum und auch im Parzival (um 1200) belegt.

Die Kombination von Stein und Bein beim Schwur hätte dann durch die Berücksichtigung heidnischer und christlicher Schwurbräuche eine verdoppelnde Intensivierung bedeutet. Diese Deutung ist aber wegen des späten Erscheinens der Redewendung und durch das Fehlen der Präposition (bei oder auf Stein und Bein schwören, ähnlich wie in der Formel beim Barte des Propheten) umstritten.

Stein und Bein tauchen nämlich schon weit früher formelhaft verbunden auf, etwa in der ersten Hälfte des 13. Jh. bei dem schwäbischen Dichter Freidank: “Die Zunge hat kein Bein / und bricht doch Stein und Bein.” Diese Wendung tadelt die böse Zunge und geht auf ein lateinisches Vorbild zurück (osse caret lingua, secat os tamen ipsa maligna).

Stein und Bein stammen also wahrscheinlich nicht aus dem Bereich des Rechtswesens, sondern sind als Sinnbilder der Härte und Bruchfestigkeit allgemein zur Verstärkung einer Aussage oder eines sprachlichen Bildes genutzt worden.

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Warum sagen wir “einen Zahn zulegen” etwas schneller machen?
In den Burgküchen hingen die großen Töpfe an gezackten, einem Sägeblatt ähnliche Eisenschienen, mit denen man die Höhe der Töpfe über dem Feuer regulieren konnte. Wenn man also früher einen Zahn zulegte, hieß das, den Topf näher ans Feuer hängen, um die Speisen schneller zu garen.

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Warum sagen wir immer noch “etwas aus dem Stegreif sprechen / vortragen / dichten”?
Unvorbereitet sein, etwas spontan machen.

Steg-reif, nicht “Steh-greif”, ist die ältere Bezeichnung für den Steigbügel und bedeutet eigentlich Reif/Ring zum besteigen des Pferdes. Die Redensart bezieht sich auf den eiligen Reiter, der schnell etwas erledigt oder zu sich nimmt, ohne abzusteigen.

Die Stegreifdichtung war seit der Antike verbreitet und auch in der Skalden- und Spielmannsepik (Skaldenepik = altnordische Dichtkunst) gepflegt worden. Besonders in Volksdichtung wurden Spielformen bevorzugt, in denen der Schauspieler den Text seiner eigenen oder der Stimmung des Publikums entsprechend variieren konnte.

Die allmählich als Verwilderung der Theatersitten empfundene Stegreifdichtung wurde durch die Theaterreform Gottscheds im 18. Jh. abgeschafft und in Österreich aus Gründen der Zensur 1752 sogar verboten.

Die freie Improvisation als Kunstform ist seither mehr oder weniger auf das Kasperltheater und das Kabarett beschränkt. Auch die Stegreifrede, eine alte rhetorische Kunst, wird nicht mehr gelehrt, sondern den mehr oder weniger ausgeprägten rhetorischen Begabungen des Einzelnen überlassen.

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Warum sagen wir mit jemanden “Katz und Maus spielen”

Dies bezieht sich auf das Spiel der Katze mit der Maus.
Die Katze ist natürlich viel stärker, aber trotzdem läßt sie ihr Opfer, die Maus, noch scheinbar entkommen, um sie schließlich doch zu töten. Auch Luther verwendet eine verwandte Wendung:

“Der Katze Spiel ist der Mäuse Tod.” jemanden im Unklaren lassen

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Warum sagen wir “in den sauren Apfel beißen müssen”

Die erste Erwähnung dieser Wendung beziehungsweise dieses Bildes findet sich bei Luther, aber man kann davon ausgehen, daß es sich hierbei um eine wesentlich ältere Redewendung handelt.

Es bedeutet etwas Unangenehmes tun müssen.

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Warum sagen wir „Leg’ mal einen Zahn zu!“

Im Mittelalter hingen die Kochtöpfe über der Feuerstelle an einer Hakenleiste mit Zacken bzw. Zähnen, wie bei einer groben Säge.

Sollte das Essen im Topf schneller kochen, wurde der Topf an der Hakenleiste einen Zacken oder „Zahn“ tiefer „gelegt“. Damit ist gemeint, dass du dich beeilen sollst.

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Warum sagen wir “nach Jahr und Tag”

Diese Wendung hat ihren Ursprung in einer alten Rechtsformel, die der Jahresfrist noch einen Tag hinzufügte.

Ursprünglich verwies die Formel auf eine Frist von einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen, da das Landgericht zu Zeiten Karls des Großen (747-814 n.Chr.) alle sechs Wochen für drei Tage tagte.

Die Einspruchszeit verjährte genau nach dieser Frist und das Urteil war nicht mehr anfechtbar.

Nebenbei sei noch der Grund für die häufige Erwähnung Martin Luthers genannt,
der keineswegs die schöpferische Gabe hatte, Redewendungen zu erfinden, aber der sehr wohl die Fähigkeit hatte,
dem Volk genau aufs Maul zu schauen.

Was er dabei entdeckte, verwendete er entweder in seinen Schriften,
um es dem Volk verständlich zu machen, oder aber er dokumentierte es separat,
wobei beiderlei für uns als Quelle sehr aufschlussreich ist.

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Warum sagen wir “das Zeitliche segnen”

Das “Zeitliche” und die “Zeitlichkeit” sind schon sehr alte Begriffe für die vergängliche Welt. Von ihr nimmt der Sterbende Abschied, indem er Gottes Segen für sich herbeiwünscht. Der letzte Wunsch eines Sterbenden wird für sehr wirkungsvoll gehalten, und so ist der Segen, den er ausspricht, das Beste, was er für seine Hinterbliebenen und die Welt tun kann. Einige dafür früher verwendete Segenssprüche sind noch erhalten, wie der folgende, der aus dem 17. Jh. überliefert ist: “Nun sieht mich kein Mensch nimmermehr, Gott gesegn euch alle, wo ihr seyt! Gott gesegn mit alle Wollustbarkeit!

Gott gesegn mein Herren und Gemahl! Gott gesegn euch, Berg und Tal!”

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Warum sagen wir “jemanden matt setzen”

“Matt” ist ein Ausdruck aus dem Schachspiel und geht auf den persischen Ausspruch “schah mate” (der König ist tot) zurück.

Zusammen mit dem Spiel ist der Ausdruck im 12. Jh. in die romanischen Sprachen und in das Deutsche gekommen. Seit dem 13. Jh. existieren einige Bedeutungserweiterungen, die sich alle auf Erschöpfung des Geistes oder des Körpers beziehen.

Im visuellen Bereich wird der Mangel an Glanz als “matt” bezeichnet.

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Warum sagen wir “jedes Wort auf die Goldwaage legen”

Die Redensart findet sich bereits seit der Antike in der Rhetorik, wo sie von Verro und Cicero den Römischen Schriftsteller gebraucht wurde.

Luther hat eine Bibelstelle (Sirach 21,27,28,29) mit der Wendung übersetzt: “Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest Du nicht auch Deine Worte auf der Goldwaage?”

Diese Stelle hat entscheidend zum Eindringen der Redensart in die Umgangssprache beigetragen, in der sie seit dem 16. Jh. oft gebraucht wird.

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